Einschränkungen bei Entschädigungen?

Wird die EU-Richtlinie geändert?

Fast 17 Millionen Flugreisende waren im Jahr 2018 von Flugverspätungen betroffen.

Liegen bestimmte Gründe für diese Verspätungen vor, kann der Passagier in der EU eine genau definierte Entschädigung von seiner Fluggesellschaft verlangen.

Jetzt aber planen die Bürokraten in Brüssel eine Neufassung dieser Regelung – allerdings nicht zum Vorteil der Reisenden.

Diese Information bleibt fast unbemerkt. Aber es besteht die Gefahr, dass sich die Situation für die 900 Millionen europäischen Fluggäste ändert. Laut Aussagen zweier Verbraucherverbände, dem Verband deutscher Verbraucherorganisationen und dem Verband der Anwälte für Fahrgastrechte (APRA), will die Europäische Union die Vorschriften der EU-Richtlinie 261/2004 über die Rechte von Fluggäste.

Diese EU-Richtlinie regelt die Entschädigung, die Fluggesellschaften im Falle von Flugverspätungen oder -stornierungen zahlen.Die Richtlinie sieht jetzt eine pauschale Entschädigung zwischen 250 und 600 Euro vor, je nach zurückgelegter Entfernung, falls sich die Ankunft am endgültigen Bestimmungsort um mehr als 3 Stunden verzögert. Auf Initiative des kroatischen Ratsvorsitzes beabsichtigt die Europäische Union nun, diese Bedingungen zu lockern, von denen die Fluggesellschaften profitieren würden. Am 30. Januar gab die kroatische Präsidentschaft diskret ihre „Leitprinzipien zur Führung künftiger Diskussionen“ an die nationalen Delegationen weiter. Der Text wird voraussichtlich im Juni offiziell vorgestellt.

Infolge dessen werden die Passagiere bei einer Verspätung von mehr als 3 Stunden nicht mehr entschädigt, sondern nur dann, wenn diese Verspätung bei Flügen über 3.500 Kilometer 5 Stunden überschreitet. Bei Flügen über eine Entfernung von bis zu 6.000 Kilometern konnte das Recht auf Entschädigung erst nach einer Verspätung von 9 Stunden eröffnet werden. Darüber hinaus würde die Verzögerungsschwelle auf 12 Stunden angehoben. Dies reicht aus, um die Anzahl der zu kompensierenden Fälle erheblich zu reduzieren. 

In Ermangelung eines Medienrummels versuchen Verbraucherverbände, Verbraucher zu mobilisieren. Websites wie AirHelp, die sich auf Passagierentschädigungen spezialisiert haben, nehmen ebenfalls Stellung, da sie den größten Teil ihres Umsatzes verlieren könnten. „Nach unseren Berechnungen könnten fast 80% der Passagiere ihre Rechte verlieren!“ erklärt Agnès Andes, Senior Social Advertising Manager bei AirHelp. Der Showdown zwischen Fluggesellschaften und Verbrauchern hat begonnen.

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